Die grüne Matinée am So. 1. November um 12 Uhr
Zu Gast im Traumstern: Regisseur Jo Schöller sowie
Frank Bernshausen und Markus Dietz
Deutschland 2026, Farbe, 52 Min.
Ein Film von Jo Schöller
Live eingesprochen von Olaf Reitz
2007 beschloss die Bundesregierung, zwei Prozent des Landes sollten sich zu Wildnisgebieten entwickeln. Bisher ist dieser Plan zwar erst zu einem knappen Drittel umgesetzt. Doch immerhin ist auch dies bereits ein Novum: Erstmalig wächst wieder Wildnis heran. Deutschland ist ein Land der Gegensätze. Hightech, Verstädterung, extrem dichte Verkehrswege, Industrie, intensivste Landwirtschaft. Das ist der Alltag. Doch seit ein paar Jahren gibt es nun auch Wildnis – mit ungezähmter Naturentwicklung.
Der Film erzählt von beidem: Von den landschaftlichen Extremen und vor allem aber von der neuen Wildnis, die es nun mit einem Mal hier gibt. Mit einem Fokus auf den Wölfen, die hier leben. Ihrem Familienleben, ihrem Alltag und Begegnungen mit anderen Tieren. Dabei erfahren wir auch von der Rolle, die Wölfe als Gesundheitspolizei und als Evolutionsmotor spielen. Es ist kein Zufall, dass sich Deutschlands wilde Wölfe bei ihrer Rückkehr als erstes ausgerechnet in dieser „neuen Wildnis“ niedergelassen haben und sie bis heute bevorzugen und erleben der Zuschauer erlebt Situationen und Szenen, wie sie zuvor in Deutschland noch keine Kamera festgehalten hat. Zum Beispiel an einem Wintermorgen bei -16°C an einem zugefrorenen See mit hunderten Wasservögeln, die sich in ein kleines Eisloch zwängen und an denen immer wieder ein hungriger Jungwolf vorbeistreicht. In der Gluthitze des Sommers fegt ein Sturm über die wüstenhaften Sandgebiete, eine Feuersbrunst überrennt Kiefernwälder und Wildnis. Man taucht auch in den Mikrokosmos urtümlicher Sandinsekten, schaut in die Kinderstube von Wiedehopfen, besucht Moore mit Kranichen und Seeadlern., und gewinnt erste Eindrücke der geheimnisvollen Wildnis von morgen, ein Dschungel mit tiefen grünen Wäldern – Natur und Wildnis pur, original und ungeschminkt, wie sie ist.
Aber, welchen Bildern können wir noch trauen? Was ist echt? Welche Maschine hat welchen Content bearbeitet, gefälscht, erfunden? Können wir glauben, was wir sehen und hören? Jo Schöller und Olaf Reitz arbeiten seit einigen Jahren zusammen. Sie haben sich im Studio kennen und schätzen gelernt. Jo ist die meiste Zeit des Jahres mit seinen Kameras in der Natur verschollen, Olaf spricht dann die zusammengeschnittene Essenz im Studio zum Film. Beide gehören ein wenig zur Kategorie der Dinosaurier, deren Berufe unter Naturschutz gestellt werden sollten, auf der Roten Liste sind sie schon. Und das führt direkt zu o.g. Fragestellungen. Doch das Klagen ist ihre Sache nicht. Sie wollen ein neues Format erforschen, das eine Naturdokumentation durch die Art und Weise der Präsentation ‚anfassbar‘ macht. Es geht schlicht um die Versuchsanordnung: Der Regisseur zeigt seinen Film, und dieser wird live vom Sprecher des Films gesprochen.
Im Kino Traumstern gibt es dieses besondere Format in Kooperation mit den Ortsverbänden von Bündnis 90/Die Grünen Lich und Hungen und dem NABU Hungen. Die beiden Biologen Frank Bernshausen und Dr. Markus Dietz werden das in den letzten Jahren entstandene Wildnisgebiet im Laubacher Wald vorstellen. Hier kann sich das Ökosystem Wald auf rund 1.300 ha ohne Eingriffe des Menschen entwickeln und dabei viele positive Wirkungen auch für uns Menschen hervorbringen. Dr. Dietz als Initiator des Projekts wird dabei die Entstehungsgeschichte und vor allem spannende Einblicke in das Ökosystem Wald geben, während Frank Bernshausen erläutert, warum es u.a. für die Stadt Hungen so bedeutsam ist, sich mit Teilen des Stadtwaldes an dem Gebiet zu beteiligen.
Film und Filmgespräch in der Matinée am So. 1. November um 12 Uhr
Infos bei https://www.corvusfilm.de/aktuell
