FRÜHLINGS ERWACHEN

T.I.T - Ein Jugendtheaterprojekt
FRÜHLINGS ERWACHEN (frei nach Wedekind)

hatte zwischen Dezember und Juli ca. 10 Aufführungen mit ca. 1000 Besucherinnen und Besuchern im Kino Traumstern. Die Produktion wird noch in einigen Gastspielen anderswo zu erleben sein. Das T.i.T. arbeitet bereits an seiner nächsten Produktion, die Anfang kommenden Jahres im Traumstern Premiere haben wird.
Inspiriert durch das künstLich-Filmprojekt 2005 hat sich ein Schauspielensemble unter professioneller Leitung zusammengeschlossen.
Nach dem Erfolg der ersten Inszenierung "Mensch, ich lieb dich doch" ist "Frühlings Erwachen" bereits das zweite multimediale Theaterprojekt mit filmischen Elementen auf der Traumstern-Bühne!


Let's talk about... FRÜHLINGS ERWACHEN
Moral - Fragen - Auswege - Einsamkeit - Verirrungen - Glaube - Glück - Scham - Schande - Freiheit - Träume - Versagen - Fragen - Verlangen - Schuld - Angst - Verführung - Schwermut - Druck - Flucht - Neugierde

In einer freien Adaption der Wedekind-Vorlage werden die Probleme des Erwachsenwerdens offensiv und 'nah dran' thematisiert - das Stück richtet sich an Jugendliche wie deren Eltern, Lehrer und andere Bezugspersonen.

Junge Menschen sind neugierig, haben viele Fragen und suchen nach Antworten. Manchmal dauert die Suche danach sehr lange - und nicht jeder hält diesen Weg aus...
"... Ihr solltet kein tolles Spiel mit dem Schwindel treiben. Der Nebel zerrinnt; das Leben ist Geschmacksache." Moritz Stiefel

Die Premiere fand am 6. Dezember 2006 um 20 Uhr im Kino Traumstern statt und war ein großer Erfolg.

Gesonderte Termine für Schulvorstellungen für Gruppen über 100 Schüler nach Vereinbarung möglich!

Ein Projekt von Daniel Komma und Sebastian Hartings in Zusammenarbeit mit künstLich e.V./ Kino Traumstern, dem Jugendamt und dem Offenen Kanal Gießen.


Kontakt zu Daniel Komma und Sebastian Hartings unter 0160-93423856

Licher Wochenblatt vom 14.12.07

Großer Sturm und Andrang: Frühlings Erwachen

Theater im Traumstern (TiT) feierte rauschende Premiere mit seiner bereits zweiten multimedialen Inszenierung.

Der Rote Teppich war am Abend des 6. Dezember ausgerollt vor dem Eingang des Kino Traumstern, drangvolle Enge im Foyer, mehr Sekt als Selters: wieder einmal Premierenstimmung und –spannung. Würden die nach dem großen Erfolg der ersten Inszenierung ‚Mensch ich lieb dich doch’ vom Frühjahr hoch gesteckten Erwartungen an die nun zweite Produktion ‚Frühlings Erwachen’ erfüllt werden können?
Immerhin hatten ‚Mensch ich lieb dich doch’ in 11 Aufführungen ungefähr 1500 Besucher sehen wollen, in Presse und beim Pùblikum war die Resonanz mehr als positiv.

Gleich vorweg: die Antwort heißt JA, und nochl mehr. Was das äußerst produktive und eingespielte Leitungsduo Daniel Komma und Sebastian Hartings als Jugendtheaterprojekt bezeichnet, ist mittlerweile weit mehr. Unter der Trägerschaft des Kulturvereines künstLich e.V. mit Unterstützung des Offenen Kanals Gießen sowie des Landkreises Gießen haben die Regisseure und ihr Ensemble bewiesen, daß hier sicher eines der ambitioniertesten freien Theaterprojekte in Hessen herangewachsen ist. Darüber hinaus wird besonders an diesem Projekt deutlich, wie sich Kino Traumstern und künstLich e.V. über Kino hinaus als Kulturzentrum in Mittelhessen definieren.

Frank Wedekinds Vorlage erschien 1891 als Protest gegen die bürgerliche Sexualmoral im Wilhelminischen Kaiserreich. Generationen von Schülern werden von ihren Deutschlehrern damit strapaziert, noch dazu, nachdem sie vielleicht vorher schon die bekannten Vorläufer aus der weiter zurück liegenden Sturm und Drang–Epoche interpretieren mußten. Und das nun als Jugendtheater?

Das TiT hat die Vorlage relativ frei adaptiert, und gerade die gleichzeitige Verwendung von Originalpassagen mit ihrer veraltet anmutenden Diktion und neu geschriebenen Dialogen, die heutigen Sprachgebrauch als Kontrast darstellen, beweist die Aktualität von Wedekinds Stück. In zuweilen drastischer, gewollt plakativer Inszenierung wird beklemmend greifbar, daß Prüderie und Verklemmtheiten, moralische Bigotterie und vor allem mangelnde Aufklärung für Jugendliche heute nicht kleinere Probleme sind und persönliche Tragödien evozieren als vor 120 Jahren.


Veränderungen hat es selbstverständlich gegeben, die Grenzen von Moral und daraus geborener freiwilliger oder verordneter Zensur mögen verschoben sein – ob aber sich inhaltlich substantiell etwas verändert hat, hinterfragt das Stück deutlich.

Die jungen Darsteller finden – auch durch die gelungen Kunstgriffe der Inszenierung – durchgängig den richtigen Ton, die richtige Geste und viel dazugehörigen Mut, Stationen sexueller Entwicklung überzeugend darzustellen, auch bei Themen wie Onanie, Masochismus, Gewalt, Homosexualität u.a. findet das Ensemble seinen Stil sicher. Das Publikum wird mitgenommen, mal auch verschreckt und kaum unberührt bleiben können.



Nach ‚Mensch ich lieb dich doch’ wurde nun mit ‚Frühlings Erwachen’ mehr als deutlich, daß das Ensemble sein Stil entwickelt hat und noch einmal gereift ist – als Laientheatergruppe kann das TiT nicht mehr bezeichnet werden. Die multimediale Inszenierung nutzt alle Möglichkeiten, die das Kino Traumstern hat. Eigens produzierte Filmsequenzen lassen die Darsteller auf Leinwand wie auf Bühne in Erscheinung treten und zum Teil virtuell miteinander in Dialog treten. Die unwirklich anmutende, faustische Schlußszene mit Moritz’ Geist auf der Leinwand und dem gehetzten Wild Melchior an Wendlas Grab wird kaum zu übertreffen sein.