Cinema Italia

CINEMA! ITALIA! - Neues Italienisches Kino


In Zusammenarbeit mit der Deutsch-Italienischen Gesellschaft und der JLU Gießen zum Thema Migration

zu Gast im Kino Traumstern sind die Regisseure Dario Dalla Mura und Elena Peloso
mit ihrem Dokumentarfilm NOI, CITTADINI DEL MONDO – Wir, Weltbürger/innen

Italien 2015, Farbe, 55 Min.Ital. Mit engl. Untertitel

Gesichter und Stimmen, Geschichten und Erinnerungen von jungen Einwanderern, die nach Italien gekommen sind und dort leben. In ihren Geschichten spiegeln sich sowohl Heimweh und ihre Schwierigkeiten, als auch ihre Zufriedenheit in Schule, Arbeitswelt und Alltag wider. Sie werfen aber auch einen Blick darauf, wie wir sind und wie wir in einer gemeinsamen Zukunft leben könnten.

Mit Einführung und Aperitivo mit den Regisseuren Donnerstag, 14. November 2019 um 17.00 Uhr


TROPPA GRAZIA


Zu viele Wunder
Italien 2018, Farbe, 110 Min., OmU
Regie: Gianni Zanasi
Darsteller: Alba Rohrwacher (Lucia), Elio Germano (Arturo), Giuseppe Battiston (Paolo), Hadas Yaron (La Madonna), Carlotta Natoli, Thomas Trabacchi, Daniele De Angelis

Lucia ist Landvermesserin. Privat kämpft sie mit der Trennung von ihrem Mann und der Erziehung ihrer pubertierenden Tochter. Beruflich hat sie mit einem kleinen Trick gerade einen Job ergattert zur Vorbereitung eines großen Bauprojektes auf dem Lande. Eines Tages erhält sie bei ihren Vermessungsarbeiten auf einem einsamen Feld unerwarteten Besuch – von einer Erscheinung der Jungfrau Maria! Diese fordert sie auf, das Projekt zu stoppen und stattdessen dort eine Kirche zu bauen. Lucia zweifelt an ihrem Verstand. Doch die Heilige erscheint ihr immer wieder und bleibt knallhart bei ihrer Forderung…
Haben Wunder noch einen Platz in einer Welt, die zum Synonym für Profitgier geworden ist? Was soll man von einer Gottesmutter halten, die nicht mild und sanft daherkommt, sondern zu rabiaten Mitteln greift? Eine verblüffende Geschichte haarscharf auf der Grenze wischen Komödie und Drama, getragen von der großartigen Alba Rohrwacher als von allen Seiten bedrängte Lucia. Troppa grazia wurde beim Festival von Cannes 2018 vom Verband „Europa Cinema“ als bester europäischer Film des Jahres ausgezeichnet.

„Alba Rohrwacher legt auch hier ein komisches Talent an den Tag, das sie öfters nutzen sollte. Die Leichtigkeit, ja Zartheit der Grundidee und ihre Variationen bieten die Gelegenheit, einen Blick auf ein melancholisches, fast verlassenes Italien in der Provinz zu werfen, wo die allgegenwärtige Korruption immer noch den modrigen Geschmack der 70er Jahre hat, Wieder einmal ist für diesen Regisseur die Provinz der Hintergrund für eine Erzählung, die in angenehmer Art in der Schwebe bleibt.“
(Emiliano Morreale, LA REPUBBLICA)

Fr 15. Nov 17 h und Mo 18. Nov 21.15 h

UNA STORIA SENZA NOME


Eine Geschichte ohne Namen
Italien 2018, Farbe, 110 Min., OmU
Regie: Roberto Andò
Darsteller: Micaela Ramazzotti (Valeria Tramonti), Alessandro Gassman (Alessandro Pes), Jerzy Skolimowski (Regisseur), Laura Morante (Valerias Mutter), Renato Carpentieri (Alberto Rak), Antonio Catania, Gaetano Bruno

Valeria ist Sekretärin eines Filmproduzenten. Niemand weiß, dass sie heimlich für ihren Geliebten, den gut bezahlten Filmautor Alessandro, dessen Drehbücher schreibt. Aktuell ist Alessandro in Not, weil eine neue Filmproduktion am Start ist und immer noch das Drehbuch fehlt. Da erhält Valeria ein Geschenk von einem Unbekannten: den Plot eines Films. Die Handlung ist jedoch gefährlich, die „Geschichte ohne Namen“ dreht sich um den mysteriösen Raub eines berühmten Gemäldes von Caravaggio 1969 aus einer Kirche in Palermo, in den die Mafia verwickelt war. Sobald publik wird, dass dieser Stoff verfilmt werden soll, überschlagen sich die Ereignisse, und Valeria findet sich in einer ganz ungewohnten Rolle wieder…
Der neue Film von Roberto Andò (Viva la libertà) ist ein unterhaltsamer Mystery-Thriller mit mehrfach doppeltem Boden, der zudem mit einer absoluten Star-Besetzung aufwartet, darunter als Gast der polnische Regie-Altmeister Jerzy Skolimowski.

„Über den verschwundenen Caravaggio erzählten die Kronzeugen immer mehr divergierende und falsche Versionen. Der Regisseur Roberto Andò aus Palermo nimmt das zum Ausgangspunkt für ein tragikomisches und unterhaltsames Schelmenstück, in dem es von kriminellen Produzenten, mafiösen Filmemachern, sentimentalen Hackern und gescheiterten Ministern wimmelt. Mit einer Hommage an Leonardo Sciascia und Pirandello und einer äußerst verzwickten Handlung.
(Fabio Ferzetti, L'ESPRESSO)

Sa 16. Nov 17 h und Di 19. Nov 21.15 h

UNA QUESTIONE PRIVATA


Eine private Angelegenheit
Italien 2017, Farbe, 85 Min., OmU
Regie: Paolo & Vittorio Taviani
Darsteller: Luca Marinelli (Milton), Lorenzo Richelmy (Giorgio), Valentina Bellé (Fulvia), Giulio Beranek, Francesca Agostini, Alessandro Sperduti, Andrea Di Maria

Paolo und Vittorio Taviani, die beiden großen Protagonisten des europäischen Autorenkinos, kehren in ihrem letzten gemeinsamen Film (Vittorio ist im April 2018 gestorben) noch einmal zurück in die Endphase des Zweiten Weltkriegs. Wie in ihrem Meisterwerk „Die Nacht von San Lorenzo“ erzählen sie eine packende Geschichte von Mut und Widerstand, Freundschaft und Liebe in Kriegszeiten.
Der junge Partisan Milton ist in der nebligen Landschaft des Piemont unterwegs. Er kämpft um seinen Freund Giorgio, gleichzeitig sieht er ihn als Konkurrenten in seiner Leidenschaft für Fulvia, jene junge Frau, die sich längst in den Norden abgesetzt hat, aber in den Träumen der beiden präsent bleibt. Es ist die Zeit der zu Ende gehenden Faschistenherrschaft, verschiedene Widerstandsgruppen kämpfen gegen die deutschen Truppen und die einheimischen Schwarz-hemden. Alle haben den Überblick verloren, leben im Nebel einer Zeit, in der niemand sicher sein kann, ob der andere Freund oder Verräter ist.

„In Italien – und nicht nur dort – prägen rechte Populisten derzeit wieder die Politik. Davon, wohin das auch in ihrem Land geführt hat, haben die Gebrüder Paolo und Vittorio Taviani in Filmen erzählt, die das europäische Autorenkino mitgeprägt haben, allen voran in La notte di San Lorenzo. Was schleichend sich etablierte, endete im Faschismus und im Zweiten Weltkrieg. Höchste Zeit, sich zu besinnen. Es ist, als wollten die beiden daran erinnern, wenn sie in Una questione privata noch einmal in die Zeit des Widerstands gegen die Faschisten blenden. Sie tun es auf der Basis des 1963 erschienenen autobiografischen Romans von Beppe Fenoglio, der seinerseits zu Italiens Schlüsselwerken gehört. In einprägsamen Bildern und einem unaufgeregten Rhythmus zeigen Paolo und Vittorio Taviani, dass am Ende die Liebe und die Freundschaft zählen. Gleichzeitig führen sie vor Augen, wie das Gedankengut der Populisten in die Irre führt. Eine der verrücktesten Figuren im Film ist ein todgeweihter Gefangener, der in den Bergen mit einem Schlagzeug-Singsang durchdreht.“
(Walter Ruggle)

So 17. Nov 17 h und Mi 20. Nov 21.15 h

OVUNQUE PROTEGGIMI


Schütze mich auf allen Wegen
Italien 2018, Farbe, 94 Min., OmU
Regie: Bonifacio Angius

Darsteller: Alessandro Gazale (Alessandro), Francesca Niedda (Francesca), Antonio Angius (Antonio), Teresa Soro (Alessandros Mutter), Gavino Ruda, Mario Olivieri, Anna Ferruzzo
Alessandro ist fünfzig, verdingt sich mehr schlecht als recht als Sänger, wohnt noch bei seiner Mutter in seiner Heimatstadt Sassari auf Sardinien und verbringt die meiste Zeit in seiner Lieblingsbar. Nach einer Krise landet er in einer Klinik, wo er die junge und fragile Patientin Francesca kennenlernt, die um das Sorgerecht für ihren 5jährigen Sohn Antonio kämpft. Plötzlich sieht Alessandro wieder eine Aufgabe vor sich. Er nimmt mit Francesca Reißaus aus der Klinik und entführt mit ihrer Hilfe den kleinen Antonio aus einem Kinderheim in Cagliari. Nun ist das Trio im Auto auf der Flucht…
Zwei Menschen kämpfen um einen radikalen Neuanfang im Leben. Ein ungewöhnliches Roadmovie quer durch Sardinien, das in Italien viel beachtet wurde. Beim Filmfestival von Bari gewann Alessandro Gazale den Preis als bester Darsteller.

„Alessandro ist ein sardischer Folk Sänger. Ein Hemd und eine Gitarre, mehr braucht er nicht. Was bleibt, sind durchgesoffene Nächte, in denen der Fünfzigjährige seine Existenz ertränkt. Das Meer ist da, schenkt aber keinen Trost: man sieht es lediglich als Glanz in der Ferne. Ovunque proteggimi ist der zweite Film von Bonifacio Angius: in der heißen und unbarmherzigen Landschaft von Sardinien im August folgt der sardische Regisseur seinem Protagonisten auf einem kurzen Lebensabschnitt seiner Außenseiterexistenz, die er selbst gewählt hat… In der Melodie des Akkordeons und den Klängen einer uralten Sprache findet sich der kulturelle und gesellschaftliche Herzschlag derer, die immer noch an der Vergangenheit hängen, ohne sich Fragen über ihre Zukunft zu stellen.“
(Linda Magnoni, CINEFORUM)

Mo 18. und Do 21. Nov jeweils 17 h

MA COSA CI DICE IL CERVELLO


Sind denn alle durchgedreht?
Italien 2019, Farbe, 98 Min., OmU
Regie: Riccardo Milani
Darsteller: Paola Cortellesi (Giovanna), Stefano Fresi (Roberto), Emanuele Armani (Edoardo), Teco Celio (Gerard Colasante), Remo Girone, Chiara Luzzi, Claudia Pandolfi

Giovanna ist eine graue Maus, wie sie im Buche steht: unbeholfen, bescheiden, unauffällig. Selbst ihre 7jährige Tochter hält sie für langweilig. Doch das alles ist Fassade, denn in Wirklichkeit ist Giovanna eine Top-Geheimagentin, die in brisanten internationalen Missionen von Marrakesch bis Moskau im Einsatz ist. Irgendwann merkt Giovanna, dass nicht nur sie selbst, sondern auch ihre besten Freunde im Alltag ständig Schikanen, Arroganz und rüpelhaftem Benehmen ausgesetzt sind. Mit den fast unbegrenzten Mitteln und Tricks einer Geheimagentin versucht sie im Leben ihrer Freunde und in ihrem eigenen wieder Ordnung zu schaffen. Ob das gutgeht?
Nach dem großen Erfolg von Come un gatto in tangenziale/Wie eine Katze auf der Autobahn (Cinema Italia 2018) legt das Team um Regisseur Riccardo Milani und Hauptdarstellerin Paola Cortellesi noch eine Schippe drauf: ihre neueste Komödie ist eine turbulente Mischung aus augenzwinkernder James Bond-Parodie und genauer Beobachtung des italienischen Alltags, was zu urkomischen Situationen führt.

„Das Geheimnis der Komödien von Riccardo Milani mit Paola Cortellesi ist der Wille, immer hautnah an der gesellschaftlichen Realität zu bleiben. Auf den ersten Blick scheint sich der neue Film von diesem Konzept zu entfernen, indem er von einer alleinerziehenden Mutter erzählt, die scheinbar einer langweiligen Arbeit nachgeht, jedoch in Wirklichkeit als Geheimagentin in spektakulären Missionen im Einsatz ist. Anfangs also eine Mischung aus Komödie und Actionfilm im Hollywood-Stil, der gleichzeitig versucht, die üblichen Formeln der Gattung zu erneuern.“
(Emiliano Morreale, LA REPUBBLICA)

Di 19. und Fr 22. Nov jeweils 17 Uhr

UN GIORNO ALL’IMPROVVISO


Aus heiterem Himmel
Italien 2018, Farbe, 88 Min., OmU
Regie: Ciro d’Emilio
Darsteller: Anna Foglietta (Miriam), Giampiero De Concillo (Antonio), Massimo De Matteo (Talentscout), Lorenzo Sarcinelli (Stefano), Giuseppe Cirillo (Peppe Lambiase), Biagio Forestieri, Fabio De Caro, Franco Pinelli

Der 17jährige Antonio lebt in einer Kleinstadt in Süditalien, wo es trotz Arbeit schwer fällt, über die Runden zu kommen. Sein Vater Carlo hat die Familie früh verlassen. Nun muss sich Antonio um seine immer noch attraktive, aber psychisch labile Mutter kümmern, die von der Idee besessen ist, Carlo zurückzugewinnen. Doch der will von Frau und Sohn nichts mehr wissen. Zum Glück für Antonio gibt es den Fußball und vor allem die Freunde: Stefano, der Stürmer der Mannschaft und der schlagfertige Peppe. Eines Tages taucht ein Talentscout auf, der Spieler für die Jugendmannschaft von Parma sucht und von Antonio begeistert ist. Doch jeder Traum hat seinen Preis.
Ein junger Mann, der alles tut, damit ihm das Leben eine Chance gibt. Der bewegende und hervorragend gespielte Film im besten Geist des Neorealismus hatte seine Uraufführung beim Festival von Venedig 2018 und wurde für fünf italienische Filmpreise nominiert.

„Frischer Wind für den italienischen Film. Das ist das Verdienst von Ciro D’Emilio, der bei seinem Debütfilm die wunderbare Anna Foglietta einsetzt, die mit großer Intensität eine psychisch labile Mutter spielt, und von ihrem siebzehnjährigen Sohn Antonio rührend umsorgt wird (ein überzeugender Giampiero De Concilio). Vor der Kulisse des neapolitanischen Hinterlands spielt sich ein realistisches, mitreißendes, sehr gut geschriebenes Drama ab.“
(Maurizio Acerbi, IL GIORNALE)

Mi 20. und Sa 23. Nov jeweils 17 h